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Erinnerungen Teil 5
Einen Urlaub im März/April 38 verbrachten wir in Weissenbach a.d.Triesting. Es muß für uns Kinder eher eine Abschiebung von Wien gewesen sein, denn die Eltern schickten mich und meinen Bruder allein hinaus. Wir wohnten bei einem uns bekannten Briefträger (Schweinsteiger) im Niemthal, bei dem wir schon früher einmal auf Sommerfrische gewesen waren. Ich hatte bereits mein erstes Rad und konnte so mit meinem Bruder am Gepäckträger mittags zum Essen in den Ort fahren. Der Wirt zu dem wir essen fuhren war ein Onkel von uns (der "singende Wirt" von Weißenbach). Er hat uns die ganze Zeit über betreut.

Triesting vor GH Umgeher Mit Bruder Peter am Rad

Frühstück am Balkon bei Schweinsteiger Mit Vater vor der Kirche in Weissenbach
Es war ein ruhiges wohnen im Niemthal. Die Schwammerl wuchsen am Hang gegenüber und 1 Stunde vor dem Mittagessen wurde ich in den Wald geschickt, um Eierschwammerl und Bärentatzen zu holen. Es gab so reichlich davon, das wir öfter Schwammerl bekamen.
Irgendwann kam das Gerücht auf, daß die deutschen Soldaten durch Weißenbach kommen würden. Dann war lange nichts zu hören außer der Meldung, wegen einer zu schwachen Brücke kämen nur die leichten Lastwagen und keine Panzer durch Weißenbach. Tatsächlich konnte ich dann mit dem Rad hinunter fahren und sah die Kolonne der Soldaten durch den Ort kommen. Es wurden ihnen Blumen und Zigaretten in die Wagen geworfen. Die Trafik war ausverkauft, weil so viele Frauen Zigaretten kauften und sie den deutschen Soldaten in den offenen Lastautos zuwarfen.
Auch ein Lastwagen mit Lebensmitteln war dabei, der aber dann außerhalb des Ortes einen Unfall hatte. Von den geladenen Eiern gingen viele zu Bruch und so machte der Wirt mehrere Tage lang Eierspeise in jeder beliebigen Größe. Ich weiß nur, daß ich damals eine Eierspeise von 8 und mehr Eiern zu Mittag gegessen habe.
Die Burschen des Ortes haben uns zu allen Ausflügen mitgenommen. Als Stadtkind hatte ich jedoch keine Erfahrung im Landleben. So gab es einmal viele junge Katzen und die Jugend wurde verhalten die Sache so zu regeln, wie es seit langen Zeiten dort Brauch war. Nämlich die Jungen zu nehmen und in der Triesting zu ertränken. Ich schaute verständnislos zu. Dann drückte mir einer so ein kleines Wesen in die Hand und befahl mir, das Tier auf einen Felsen in der Triesting zu schleudern, damit es betäubt sei und gleich unterginge. Ich brachte es aber nicht zusammen. Deshalb nahm mich dann die ganze Bande nicht mehr für voll.
Trotzdem nahmen sie mich dann noch einmal mit auf die Festwiese oberhalb des Ortes, wo ein größerer Bursch, der von der Hitlerjugend schon ein Kleinkalibergewehr hatte, im Steinbruch auf Vögel schoß. Es war eine Mutprobe auf so ein wehrloses Tier zu schießen. Ich habe mich innerlich distanziert und habe meine kleine Welt (9 Jahre!) nicht mehr verstanden. Noch dazu wo ich daheim einen Kanarienvogel hatte.
Mit Franzl Umgeher, dem Sohn des Wirtes, - später auch der "singende Wirt von Weissenbach" und heute noch bekanntes Gasthaus unter "Tiroler Schmied-Stuben - sind wir auch mit dem Rad nach Neuhaus und am dortigen Teich mit dem Boot gefahren. Ein kleiner Teich mit einer Schwaneninsel in der Mitte beflügelte unsere Phantasie. Zwei konnten im Boot fahren, die anderen liefen am Ufer herum und warteten auf die Gelegenheit zur Ablöse. Zuerst ist aus dem feudalen Kurort ein Asylantenquartier geworden und das Hotel d´Orange wurde abgewirtschaftet. Heute hat sich endlich ein Investor gefunden, der das Hotel restauriert und für Pensionistenwohnungen eingerichtet hat. Aus den ehrgeizigen Plänen auch ein Kurzentrum, Ärztezentrum oder wenigstens eine für die Gegend ohnedies notwenige Therapheutische Anstalt zu machen ist leider bis 2011 nichts geworden.
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Im kleinen Kreis spielten wir manchmal Kindertheater. Es waren Pappekulissen, ein Holzkasten mit Schlitzen oben, wo wir die aus Läubsägeholz selbst ausgesägten Figuren führen konnten. Textbücher der damals gängigen Opern wie Freischütz, aber auch "Hänsel und Gretel" gehörten zu unserem Repertoire. In den Kulissen waren blitzförmige Schlitze und wenn man mit einer Kerze dahinter entlangfuhr gab das schaurige Effekte. Den Donner machte Vater dann mit einer Blechplatte, mit der er kräftig wachelte.
Links das Pappetheater, am Kindersessel eine Puppe mit Porzellankopf. Leider öfter kaputt. Das Holz-Riesenrad hat funktioniert, die Blech-Eisenbahn zum Aufziehen und der große Baum, der in dem hohen Raum bis zum Plafond reichte.
Rechts ein Ausflug auf die Sophienalpe bei Rauhreif - kein Schnee !
Neben dem Pappe-Theater gab es auch Projektoren, zum Teil schon mit Strom, aber auch mit Kerzenbeleuchtung. Da gab es Bilder von Landschaften, in denen sich ein Wasserfall bewegte, wenn man seitlich an einer Kurbel die Glasscheiben drehte. Da waren Vögel die man durch einen Schlitz betrachten konnte und die man durch Drehung schnell oder langsam fliegen lassen konnte. Sogar wenn man zu drehen aufhörte stürzten sie nicht ab sondern blieben einfach in der Luft stehen.
Eine Landstraße mit schönem Hintergrund hatte Wagenspuren. Dann waren da Glasstreifen mit Pferdewagen oder einer Eisenbahn. Die konnte man vor dem Guckloch vorbeiziehen.
Wir saßen des öfteren auf unserem Balkon, von dem aus man die Stephanskirche und den Platz überblickte. Die Schwalben flogen zwischen den Häusern dahin und unten ging ein Zeitungsverkäufer auf und ab. Er rauchte immer eine Waldmeistermischung in der Pfeife. So wußten wir schon beim Geruch des Waldmeisters, den uns der Wind in den ersten Stock hinauf trug, wenn der Kolporteur da war.
An schönen Abenden stellten wir einen Tisch hinaus, die Stehlampe wurde abgedreht und Vater versuchte mit Hilfe einer Sternkarte die Sternzeichen zu erklären. Leider war der Himmelsausschnitt so klein, daß ich nur einzelne Sterne ohne Zusammenhang erkennen konnte. Das hat in mir aber das Interesse für den Nachthimmel geweckt, so daß ich in späteren Bergsteigerjahren mein weniges Wissen dann entsprechend erweitern konnte.
Eigentlich bin ich in der Werkstatt des Vaters aufgewachsen, auch mit dem Personal, das für mich damals aus lauter "Tanten" bestand.
Ich beobachtete die Arbeit mit Fellen, weil Vater gerne Mäntel mit Pelzverbrämung machte und über einen bekannten Kürschner aus der Weihburggasse Kenntnis von der Fellverarbeitung hatte. Im Gegenzug lieferte er dem Kürschner Schnitte für die Pelzmäntel. Da war er wieder der Fachmann. Ich half fleißig mit, die Felle mit einem Stoffwaschel naß zu machen und dann auf das Brett zu spannen. Später - wenn sie trocken waren - durfte ich die Nägel wieder ausziehen und zusammen sammeln. Ich lernte mit dem Fellmesser zu schneiden und mit Überwendlingstichen die Felle aneinander zu nähen, ohne die Haare mit einzuzwicken.
Ich durfte überall mithelfen und wurde zum Fäden ausziehen angelernt, dann konnte ich wieder unter der Zuschneidetafel meines Vaters in der großen Lade auf den Stoffresten kuscheln. (Ein von mir besonders geliebter Spiel- und Versteckplatz.) Am Abend jedes Tages wurde der Mist sauber zusammengekehrt, und die Stecknadeln, die tagsüber zu Boden fielen, mit dem großen Magnet herausgeholt. Dann wurde mit vollen Backen der Staub weggeblasen und die Nadeln zur Wiederverwertung in eine Schachtel am Tisch gegeben. Die "Werkstattln" waren V-förmig gehalten, mit der breiten Seite zum Fenster, so daß die Letzten, die am weitesten vom Fenster weg saßen, immer noch Licht hatten. Die Laden waren nach beiden Seiten herauszuziehen, so daß jeder Zugriff auf die Nähseiden und das kleine Arbeitsmaterial hatte.
Unsere Gasbügeleisen hatten einen Stagel, das waren Eisen verschiedener Größe und Gewichts ohne Griff. Sie wurden auf einen eigens dafür gebauten Gasrechaud gestellt und erwärmt. Den Griff, mit einem Holzteil gegen die Hitze geschützt, mußte man in das Eisen einfädeln und ein beweglicher Haken sicherte dann den Griff gegen das Herausfallen. War das Eisen zu kühl mußte man einfach die Stageln wechseln.
Die Erziehung durch die Mutter war eher streng, ich mußte im finsteren Badezimmer in der Schulerstraße einmal ohne Essen knien, weil ich erst 3 Stunden nach Schulschluß heimkam. Baggerarbeiten in Urania-Nähe, also weit von meiner Schule in der Johannesgasse (neben dem Ravag-Gebäude) entfernt, hatten mich fasziniert.
Wir fuhren zum Baden ins Stadionbad wo wir eine Doppel-Dauerkabine hatten. Da war Platz für eine Sitzgarnitur und etwas Küchenzeug. So lebten wir den ganzen Tag im Bad und konnten uns mit Mitgebrachtem selbst versorgen. Das ging einige Sommer bis zum Kriegsbeginn, bis Vater einrücken mußte.
Die Fahrt ging immer mit dem Rad vom Stephansplatz aus, bei der Endstation der damaligen Preßburger Bahn vorbei, wo die Krokodil-Lokomotiven standen. Da habe ich gleich erfahren, daß die Preßburger nach Wien ins Theater fuhren und daß man als Wiener zur Jause nach Preßburg fahren kann. Das hat mir damals sehr imponiert und ich habe den Zügen immer nachgeschaut, bin selbst zwar nie damit gefahren, habe die Reisenden aber immer wie Weltreisende bewundert.
Im Bad gab es den ganzen Tag Musik, "Gnädige Frau wo war`n sie gestern..." ist mir heute noch im Ohr. Auf dem Kabinendach war ein großer Wasserbehälter um die Becken mit vorgewärmten Wasser zu füllen.
Vorher waren wir manchmal im Freibad in Sievering, wo einmal mein Bruder länger unter Wasser blieb. Erst auf meine Fragen was er so lange da unten mache sprang Vater eiligst ins Becken und holte ihn heraus. Ein Bademeister legte Peter dann übers Knie und leerte das Wasser wieder aus ihm heraus, indem er ihm kräftig auf den Rücken klopfte.
Das Sieveringer Bad vor dem Krieg
Einen Radausflug nach Weidling zu kalter Jahreszeit ist mir noch in Erinnerung. Ich saß am Kindersitz am Rahmen vor dem Vater, konnte mich mit am Lenker anhalten und fror fürchterlich. Da zog Vater die Wollfäustlinge aus und streifte sie über meine kalten Füße und Schuhe. Dann unterhielten wir uns die ganze Fahrt lang über die lustig wegstehenden Daumen, so daß ich meine Probleme darüber ganz vergaß. Vater mit seinen bloßen Händen muß aber sicherlich sehr gefroren haben.
Ausflüge im Frühjahr zum Kl.Flößelberg, wo wir immer die ersten Schneeglöckchen suchen gingen, waren ein fester Bestandteil unseres Bergsteigerjahres. Von Kaltenleutgeben ging es dann mit dem Zug nach Hause. Waldmühlkletterschule und Streberwände waren immer Fixpunkte für mich, um etwas in den Felsen herumzukraxeln und die Großen zu bewundern. Standard-Ausflüge gingen dann auch zur Teufelsteinhütte, Kammersteinerhütte, Seewiese, Mizzi-Langer Wand, wo mein Vater in seinen Jugendjahren einmal abgestürzt ist und sich einen Fuß gebrochen hatte. (Mitzi-Langer-Kauba, nach der die Wand benannt war, hatte ein Sportgeschäft in der Kaiserstraße), Perchtoldsdorf, die Perchtoldsdorfer Heide mit ihren Kuhschellen und die Kletterübungen in den Felsen der Lutterwand daneben waren der Beginn meiner Kletterversuche.
Fasziniert war ich immer, daß wir mit der Stadtbahn von der Landstraße bis Hietzing und von dort mit dem 60er-Wagen mit Stadtbahngarnituren bis Rodaun fuhren. Das war so ein Hauch von Weltreise mit der Eisenbahn. Manchmal ging es mit dem Zug von Kaltenleutgeben zurück.
Sepp Brunhuber, ein bekannter Bergsteiger und auch aus dem Österreichischen Gebirgsverein, der später ein Reisebüro in Mariahilf betrieb, hatte damals ein Buch geschrieben: "Mit dem 60er-Wagen auf den Montblanc". Er war mit den Schiern von Mödling losgezogen und in einem Winter durch die ganzen Alpen bis zum Montblanc gewandert. Heute ist das alles vergessen.
Mit 9½ Jahren war ich zum ersten Mal auf dem Ötscher. Wir fuhren bis Kienberg-Gaming und stiegen dann von Lackenhof zum Ötscher-Schutzhaus auf. Am nächsten Tag ging es dann bei Nebel auf den Gipfel. Ich hatte eine kurze Lederhose an und wurde wegen der Kälte von Mutter mit einem Kopftuch ausgestattet. Viele Bergsteiger wunderten sich über meine Aufmachung, ich hielt es aber durch, weil es wirklich kalt war. Vom Gipfel habe ich nur ein paar Schafe und Nebel in Erinnerung behalten.
Viele Ausflüge in die Voralpen haben wir damals mit der Eisenbahn gemacht. Es gab sogenannte Bergsteigerkarten, wo man etwa vom Westbahnhof und der Mariazellerbahn aus nach Lilienfeld fuhr, nach einer Wanderung über die Reisalpe und Nächtigung kamen wir dann an die Triestingtalbahn und über Leobersdorf zurück zum Südbahnhof. Es war für mich immer ein Mirakel, wie man mit der Westbahn wegfahren und trotzdem am Südbahnhof ankommen konnte.
Mit der Südbahn fuhren wir oft nach Pernitz und zu den Mirafällen, wohin regelmäßig Autobusse gingen. Dort gab es auch ein Gasthaus zum Übernachten. Schließlich war so eine Wanderung ein kompletter Wochenendausflug. Damals war die Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln so dicht, daß die Beschreibung der Wanderrouten im "Förster" (so hieß das Standard-Wanderbuch) Autobushaltestellen und Fahrzeiten sowie Preise enthielt.
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Viele Jahre später bin ich dann mit einer Hitlerjugend-Gruppe wieder auf diesen Bergen gestanden, mußte aber dann eine vormilitärische Ausbildung über mich ergehen lassen. Ich war meist einer der Kleinsten, aber Wendigsten. Meine Spezialität beim Völkerball war, daß ich so gut wie nie abgeschossen wurde. Ich blieb also immer als Letzter über und gab meiner Partei die Chance, wieder den Ball zu erobern. Das brachte den Ausbildner auf die Idee, mich als Zielscheibe für den Handgranatenweitwurf - natürlich mit Attrappen, die aber auch aus Holz und Eisen waren - zu verwenden. Ich wurde tatsächlich niemals getroffen.
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Knapp vor dem Krieg stand eine der modernen elektrischen Eisenbahnen, eine TRIX-Bahn, unter dem Christbaum stand. Vater hatte in nächtelanger Arbeit in seiner Schneiderwerkstatt eine herrliche Landschaft mit Tunnel, Ablaufberg und Bahnhof auf einer großen Holzplatte aufgebaut. Als Sensation galt es damals, daß man sogar mit zwei Zügen zugleich fahren konnte - nicht wie bei der üblichen Märklin-Bahn wo es nur einen Zug gab. Das machte das Dreischienensystem. Als technisch Interessierter hatte ich es damals schnell heraußen was sich alles damit machen ließ. Es war die Grundlage meiner späteren Elektronikinteressen.
Die Bahn stand immer nur zur Winterszeit im Salon, wo die Kunden ihre Kinder mitbringen durften, die dann gnadenhalber von mir auf eine Eisenbahn-Runde eingeladen wurden. Ich hatte damit Ansprache und Freunde gefunden, mein Vater sicher auch Kunden, die unbeschwert durch ihre Kinder in Ruhe probieren und sich neue Modelle aussuchen konnten. So war beiden gedient.
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An den Wintersonntagen gingen wir Schifahren. Wir hörten schon im Radio, wenn der Samariterbund aufgerufen wurde um alle Sanitätsstellen zu besetzen. Es gab sogar eigene fliegende Patrouillen, die die stark befahrenen Wege abliefen. Diese Radio-Aufrufe waren das Zeichen für uns, daß es genügend Schnee im Wienerwald gab.
Des öfteren machten wir auch Schiausflüge auf den Dreimarkstein, wo wir beim "Häuserl am Stoan" oder "Häuserl am Roan" unsere Kleidung in dem großen Gastraum mit dem schwarzen Ofen in der Mitte trockneten. Zum Abschluß des Schitages ging es dann per Schi hinunter, die Sieveringer Straße entlang bis zum Linienamt. Erst dort mußten wir die Schi abschnallen und tragen. Der Marsch bis zur 39-er Endstation zog sich dann dahin. Nur bei viel Schneelage konnten wir noch den Sieveringer Bach entlang bis zu Agnesgasse rutschen.
Die 39-Linie hatte noch Beiwagen mit offener Plattform. Besonders die hintere Plattform wurde von uns geliebt, weil man da so eine gute Aussicht auf die Straße hatte und der Fahrtwind doch nicht so arg war.
Oder die Schiwanderungen von der Endstelle der Linie 43 weg, durch den Schwarzenbergpark auf das Hameau zum Holländerdörfl, wo ein Gasthaus stand das mit viel Schilf eingedeckt war.
Wenn es ganz weit gehen sollte, fuhren wir noch über das Rote Kreuz entlang der Exelbergstraße zur Sophienalpe. Irgendwo dort hatte ein Bauer einen Schilift installiert. Es war ein Balken im Trapez an ein Seil gehängt, oben ein Traktor mit Winde. Da konnten so etwa 8-12 Leute nebeneinander dran hängen und wurden auf einmal hinaufgeschleppt. Oben fuhr dann ein Helfer mit dem Balken wieder herunter um die nächste Partie zu holen. Da wir aber außer dem Fahrgeld und dem eingepackten Essen nie viel Geld mit hatten, stapften wir seitlich am Waldrand wieder die Wiese hinauf. Ein einziges Mal habe ich mir den Luxus geleistet. Es muß so um 1.- Schilling gekostet haben, was damals viel Geld war.
Die Linienämter in Wien, vor allem Sievering und Neuwaldegg waren bei mir Begriffe, denn sie bezeichneten vor allem immer bei Skitouren das Ende der mit Skiern befahrbaren Strecke. Dabei habe ich den ehemaligen Zweck der Linienämter immer erklärt bekommen und fahre auch heute noch immer mit dem Gefühl, jetzt die Wiener Stadtgrenze zu passieren, daran vorbei.
Ich war immer todmüde, aber durch diese Ausflüge gut durchtrainiert. Wenn es mir doch einmal zu viel wurde, fuhren wir mit der Straßenbahn rund um den Ring bis zur Oper und stiegen in die Linie zum Neuen Markt um. Da hatten wir dann die kürzeste Strecke bis zum Stephansplatz zu gehen. Daß ich da oft einschlief und erst wieder am Neuen Markt bei der Endstation erwachte, war keine Seltenheit.
Eine Aufführung der Teschner-Puppenspiele vermittelte uns eine Kunde. Mein Vater ging mit mir nach Gersthof, wo die Aufführung in einer großen, recht nobel und mit dunklen Möbeln eingerichteten Wohnung stattfand. Er erklärte mir die Stabführung der Puppen die so ganz anders war als das mir bekannte Marionettentheater. Und daß ich mir keine Kindermärchen erwarten sollte. So war ich von den Glockenmelodien, dem Geschehen hinter dem runden Bühnenauschnitt mit den Sternzeichen rundherum und der Stimmung im privaten Publikumskreis ganz fasziniert. Es war irgendwie eine feierliche Stimmung im Raum und ich spürte die Besonderheit dieser Stunden im kleinen intimen Rahmen. Ich habe mich sehr gefreut, als viele Jahre nach dem Krieg eine Meldung über den Fortbestand der Bühne zu hören war.
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Papa rückt ein ------------------------------------------------------------>>> Da fehlt der Bericht über die Kriegszeit von Vater
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Ich hatte im Gymnasium in der Stubenbastei ein Taschengeld von -.50 Pfennig in der Woche. Ein kleines Eisstanitzel kostete 7 Pfennig, ein Schulheft etwa 10 Pfennig.
Otto Schenk war eine Klasse ober mir und ist damals schon bei Schüleraufführungen aufgefallen. Seine Erzählkunst war auch in unserer Jungschar- und Ministrantenstunde in St. Stephan bekannt und er durfte die letzte ¼ Stunde jeweils ein Stück aus einem spannenden Buch vorlesen, was er mit großer Betonung und recht theatralisch gerne machte.
Ich schrieb damals Kurrent und das noch viele Jahre, erst später begann ich dann Überschriften in Latein, den Rest immer noch Kurrent zu schreiben. Meine "Kurze" Unterschrift besteht noch heute aus einem Kurrent-E und angebundenen Latein-"Ungrad"!
Wir hatten einen Schulwart, der für uns Buben eine Ersatzmutter war. Ich habe regelmäßig mein Jausenpackerl daheim vergessen. Er kannte mich schon und in der Pause brauchte ich nur bei ihm, der in einem Glaskobel in der Mitte des Vorhauses thronte, vorbeizusehen und erhielt meine Jause, die Mutter oder das Kindermädchen inzwischen nachgebracht hatten, mit ein paar ermahnenden Worten ausgefolgt.
Nach Schulende gingen wir oft in den Stadtpark spielen. So rutschten wir auf unseren Schultaschen auf den steinernen Geländern beim Abgang zum Wienfluß hinunter. Manchmal gingen wagemutige auch ganz hinunter ins Wienflußbett, wo das Wasser mit Abfällen vom Naschmarkt verschmutzt war. Einmal getrauten wir uns sogar in den finsteren Tunnel beim Heumarkt hinein und gingen so weit, wie wir noch Licht hatten.
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Mein Vater erzählte mir dann, warum das Wienflußbett so groß war. Er führte mich zu den Rückhaltebecken zwischen Hütteldorf und Mariabrunn - es war damit wieder ein Ausflugsgrund gegeben - und zeigte mir welche Wassermassen manchmal vom Wienerwald herunterkommen könnten. Da habe ich den Wienfluß mit mehr Respekt behandelt. Und einmal habe ich die Wien auch so hoch gesehen, daß das Wasser den Tunnel voll ausfüllte und unsere Spielplätze auf den Stiegen überschwemmt waren.
In der Schule ging nach Kriegsbeginn viel Zeit für Nebenarbeiten auf. So wurde der Vorraum des Bastelraumes im Souterrain zur Lagerung von Altpapier benützt. Wir mußten mit Zweirad-Karren das Papier abholen und in der Schule sammeln.
Gleich gegenüber von uns, in der Zedlitzhalle (heute Umspannwerk) war ein Lager der Gemeinde Wien für die Zweiradkarren und Schaufeln, Krampen etc. Dort holten wir uns die Karren, gingen zu viert oder fünft damit aus, um das Sammelgut zu holen. Im Winter benützten wir die gleichen Karren um Schnee zu führen. Alle Hausmeister mußten dafür sorgen, daß nicht nur der Gehsteig, sondern auch die Straße jeweils bis zur Mitte geräumt wurde. Ganze Hausgemeinschaften arbeiteten bei Schneefall zusammen. Wir mußten dann die Schneehaufen so auftürmen, daß das Rinnsal und die Kanaldeckel frei blieben damit Schmelzwasser ablaufen konnte. Überschüssige Schneemengen kamen zum nächsten Kanaldeckel und wurden dort hinuntergekippt.
In den Sommermonaten gab es Wandertage. Doch war es nicht so ungezwungen wie heute, es artete in eine Beschaffungstour aus. Wir nahmen Handschuhe mit und mußten in den Donauauen beim Friedhof der Namenlosen Brennessel schneiden und heimbringen. Mir ist nur ein Rätsel, was damit kriegswichtiges gemacht wurde.
Der Englischunterricht verkam zu einer Pflichtübung, denn die Sprache des Gegners zu lernen war ja nicht gerade erwünscht.
Ein mehr als grober Handarbeitslehrer versetze mir einmal über die Tischkante einen Schlag in den Bauch, so daß mit schlecht wurde. Ich wurde natürlich gleich als Mutterkind abgestempelt und nicht würdig, bei der HJ einen besseren Dienstgrad zu erhalten. Na ja, auch nicht schlecht. Es hat mir wahrscheinlich etliche Probleme erspart.
Ende Teil 5
Fortsetzung Teil 6